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Ochsenhausen erhält eine Nahwärmeversorgung
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Ein neues Energiezeitalter beginnt in Ochsenhausen. In einer Sondersitzung gaben die Gemeinderäte einstimmig grünes Licht für den Aufbau einer Nahwärmeversorgung in der Rottumstadt. Künftig soll die umweltfreundlich erzeugte Wärme öffentliche Gebäude und Privathäuser beheizen. Seinen Standort erhält das Heizwerk im Gewerbegebiet Untere Wiesen.
Die geplante Nahwärmeversorgung beschäftigt die Gemeinderäte und die Verwaltung seit längerem. Bei einer Informationsfahrt im letzten Jahr wurden mehrere solcher Anlagen in Österreich besichtigt. Auch hat sich zwischenzeitlich eine Gesellschaft gegründet, die die Nahwärmeversorgung in Ochsenhausen betreiben wird. Die neue „Nahwärme Ochsenhausen (NWO)“ besteht aus insgesamt sechs Gesellschaftern, die das nötige Know how von der Planung bis zum Betrieb einer derartigen Anlage mitbringen. Mit Hans Holland und Alois Gerster sind darin auch zwei Gemeinderäte aus Ochsenhausen vertreten. Sie waren deshalb befangen und wirkten an der jetzigen Beratung und Beschlussfassung im Gemeinderat nicht mit. Die Stadt Ochsenhausen selbst ist bisher nicht Mitglied der Gesellschaft. Sie hat sich jedoch das Recht vorbehalten, ihr später noch beizutreten.
Mitgesellschafter Anton Aschbacher, der bereits drei Biomasseheizwerke betreibt und als Automatisierungsingenieur für die Steuerung zahlreicher weiterer Heizwerke verantwortlich ist, stellte den Gemeinderäten das Projekt umfassend vor. Herzstück der Anlage ist das Heizwerk, das auf einem direkt an der Rottum gelegenen städtischen Grundstück im Gewerbegebiet Untere Wiesen gebaut wird. Die Wärme wird dort mit Holzhackschnitzeln erzeugt, die aus Wäldern der Region kommen. Laut Aschbacher werden täglich ein bis eineinhalb Lastzüge an Heizmaterial benötigt. Die Zufahrt erfolgt über eine neue Erschließungsstraße und eine Brücke über die Rottum, die von der NWO auf eigene Kosten gebaut werden. Vom Heizwerk aus wird das erzeugte heiße Wasser über Rohrleitungen im Stadtgebiet verteilt. Die Heizleistung beträgt nach Aussage von Herrn Aschbacher in der ersten Ausbaustufe 8 Gigawattstunden. An das neue Nahwärmenetz werden das Kloster und sämtliche städtischen Gebäude angeschlossen. Anschließen kann aber auch jeder Privatmann, dessen Haus in der Nähe eines Leitungsstrangs liegt. Der Preis für die Wärmeabnahme richtet sich nach einem eigenen Biowärmeindex, in den die Kosten für Holz, Öl/Gas und Strom sowie das allgemeine Lohnniveau einfließen.
Bürgermeister Andreas Denzel brachte die Vorteile der neuen Nahwärmeversorgung auf den Punkt. Die Stadt profitiere davon durch günstigere Heizkostenpreise und spare Geld für den sonst notwendigen Austausch von Heizkesseln. Bereits nach sieben Jahren hätten sich die Anschlusskosten von 321 000 Euro amortisiert. Von den günstigen Energiepreisen profitierten aber auch die Bürger. Ebenfalls finanziell positiv wirkten sich der Verkauf des Betriebsgrundstückes und die kostenlose Erschließung durch die NWO aus. Weitere Vorteile lägen darin, dass man ein Stück weit unabhängiger von den Öl- und Gasmultis werde und dass bei der Nahwärmeversorgung die Wertschöpfung in der Region bleibe. Auch die Umwelt profitiere davon, nachdem bereits bei der ersten Ausbaustufe jährlich 2 000 Tonnen CO2 eingespart würden. Ferner könne die Stadt durch die Nahwärmeversorgung langfristig Gewerbesteuereinnahmen erzielen und auch das geplante neue Wohngebiet auf der Rottuminsel werde attraktiver, wenn es mit preisgünstiger Nahwärme versorgt werden könne.
Nachdem die Energieagentur Ravensburg das Konzept geprüft und festgestellt hatte, dass die geplante Nahwärmeversorgung wirtschaftlich ist, sprachen sich alle Gemeinderatsfraktionen für das Projekt aus. Einstimmig wurde beschlossen, der Nahwärmeversorgung Ochsenhausen das benötigte 7 500 Quadratmeter große Betriebsgrundstück zum Preis von 45 Euro pro Quadratmeter zu verkaufen. Die von der Nahwärmegesellschaft zur Erschließung auf eigene Kosten zu errichtende Brücke über die Rottum muss auf eine Tragkraft von 60 Tonnen ausgelegt werden. Sämtliche städtischen Gebäude im Stadtgebiet werden an die Nahwärmeversorgung angeschlossen. Die Stadt behält sich vor, der Gesellschaft innerhalb von drei Jahren ab Betriebsaufnahme beizutreten. Für frei werdende Gesellschaftsanteile erhält die Stadt ein Vorkaufsrecht. Außerdem wird der NWO gestattet, die erforderlichen Rohrleitungen in die öffentlichen Straßen einzulegen.
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